Alexej Iwanowitsch Maschirow
Revolutionär und Arbeiterdichter

Alexej Iwanowitsch Maschirow (1884, St. Petersburg – 1943, Leningrad) war ein russischer Arbeiterdichter, der vorwiegend unter dem Pseudonym  “Samobytnik” veröffentlichte. Maschirow war zudem Journalist und Leiter des Leningrader Konservatoriums sowie bis zu seinem Tod Direktor des Instituts für Theater und Musik in Leningrad.

Alexej Maschirow entstammte einer ärmlichen Familie aus Petersburg. Der Vater verließ die Familie, als Alexej zweieinhalb Jahre alt war. Trotz außerordentlicher schulischer Leistung blieb Alexej Maschirow eine höhere Bildung verwehrt. Im Alter von zwölf Jahren begann er eine Lehre als Schlosser in einer Metallfabrik, wo er erstmals in Kontakt mit Sozialisten und klassenbewussten Arbeitern kam.

1905 nahm er an der Revolution teil und wurde in die “Schidlowski-Kommission”, die im Auftrag des Zaren die Ursachen der revolutionären Unruhen finden sollte, gewählt. Aufgrund seiner politischen Tätigkeit wurde er von vielen Unternehmen und Fabriken zurückgewiesen und behielt seine Arbeitsstellen nur für kurze Zeit. Nach der gescheiterten Revolution von 1905 bildete sich Maschirow im Ligovsky-Volkshaus in den Fächern Technik, Literatur und Geschichte fort.

1908 wurde er Mitglied der bolschewistischen Fraktion der russischen Sozialdemokratie und stieg in der Parteihierarchie der Petersburger Partei rasch auf. Am Ligovsky-Volkshaus führte Maschirow eine bolschewistische Studentengruppe an und begann erste literarische Gehversuche. Seine Gedichte erschienen ab 1912 in der “Prawda” und 1914 in Maxim Gorkis Anthologie für Arbeiterliteratur. Meist erschienen die Texte unter seinem Pseudonym “Samobytnik”. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges verschärfte sich seine Situation, da er den Einberufungsbefehl ignorierte. Er wurde verhaftet und ins sibirische Exil geschickt, doch im Zuge der Februarrevolution 1917 wieder freigelassen.

Nach seiner Rückkehr nach Petersburg wurde Alexej Maschirow wieder politisch und kulturell aktiv. Er wurde in den Petersburger Stadtrat gewählt und leitete bis 1923 den von ihn mitbegründete Kulturorganisation “Proletkult”. Ab 1920 war er führend in der “Allrussischen Assoziation proletarischer Schriftsteller” und weiteren kulturellen und politischen Organisationen tätig (“Kuznitsa”, “Rabis” usw.) Außerdem arbeitete Alexej Maschirow als Journalist für mehrere Zeitungen und Zeitschriften.

Sein literarisches Schaffen wurde in den frühen 1920er-Jahren in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Von 1930 bis 1936 leitete Maschirow des Leningrader Konservatorium und trug wesentlich zu dessen “Proletarisierung” bei, anschließend führte er bis zu seinem Tod das Leningrader Institut für Theater und Musik. Er verstarb am 25. Juni 1943 bei der Belagerung von Leningrad durch deutsche Truppen.

Von seinem literarischen Schaffen wurden nur vereinzelte Texte ins Deutsche übersetzt. Der russische Philosoph und marxistische Theoretiker Alexander Bogdanow bezeichnete das Gedicht “Dem neuen Kameraden” von Maschirow-Samobytnik als Musterbeispiel für proletarische Dichtung.

Autor: dj/proletkult

Quellen:
Mark D. Steinberg: Proletarian Imagination: Self, Modernity, and the Sacred in Russia, 1910–1925, S. 304f.
Bogdanow, A.: Beispiele proletarischer Dichtung. In: Die Aktion, 11. Jahrgang, 1921, S. 337