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Arbeiterinnen
von Karl Bröger (ca. 1920)

Von der gleichen Mühe stets umgeben
Geh’n die Tage grau an mir vorbei.
Nennt es, wie ihr wollt, nur nennt’s nicht Leben,
Dieses stumpfe, öde Einerlei.

Schon in meine frühen Mädchenträume
Kreischte Rädersturren, schrill und laut.
Wände staub- und lärmerfüllter Räume
Haben meinem Welken zugeschaut.

Der Maschine hier, davor ich stehe,
War ich lange vor dem Mann vermählt.
Was zerbrach in dieser harten Ehe,
Oft hab’ ich es trauernd überzählt.

Weich sind meine Hände nie gewesen.
Eisen ist so hart fast wie die Not.
Schaut hinein und wollt: Ihr könnt d’rin lesen
Von dem schweren Kampf um Licht und Brot.

Zwischen Fron und kleiner Freude gehen
Weiterhin die Tage grau vorbei.
Einmal aber muss die Sonne sehen
Auf das trübe, stumpfe Einerlei.

Über den Autor:

Karl Bröger (1886, Nürnberg – 1944, Erlangen)

Nach Schule und Lehre als Bauarbeiter tätig, ab 1906 Militärdienst. Erste literarische Veröffentlichungen ab 1910, danach Redakteur bei der “Fränkischen Tagespost” und weiteren sozialdemokratischen Zeitschriften. In den 1920er-Jahren Dozent für Literatur an der Volkshochschule Nürnberg. Im März 1933 SPD-Stadtrat in Nürnberg. Im Juni 1933 Deportation in das KZ Dachau, ab September 1933 unter Polizeiaufsicht, Tätigkeit als freier Schriftsteller. Verstorben am 4. Mai 1944 an Krebs.