Kategorien
Alle Texte Lyrik

Arbeitslose!
von Karl Neugebauer (1928)

Wir hungern und hungern
in Ecken und Gassen –
Sie wollen uns wollen
verrecken uns lassen.

Die Faust ist uns leer
und leer ist der Magen,
und wenn wir mucken:
sie schlagen, sie schlagen.

Sie schlagen mit Knüppeln,
sie stechen mit Blicken –
sie seh’n ruhig zu,
wenn im Dreck wir ersticken.

Sie fressen sich voll
mit gestohlenen Broten –
Wir zählen die Tränen,
die Flüche, die Toten!

Der Hass sitzt uns tief
und er würgt in den Kehlen –
Es wandern die Stunden:
Wir zählen, wir zählen…

Wenn wir erst den Hass
in uns organisieren
und uns dann rühren,
rühren, rühren -,
und Hassbataillone
marschieren lassen -,
dann werden die Bürger
erblassen – erblassen.