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Bauernlied aus Südchina
von Unbekannt (ca. 1930)

Im Januar verkaufen wir die Seide,
Im Mai liefern wir das Reiskorn.
Wir denken, nun ist eine Weile Ruhe,
Um unsere Geschwüre zu heilen
Und unsern Hunger zu stillen –
Aber wir haben unser Herzfleisch verkauft.

Wir pflegen die Reispflanze
In der Glut der heißen Mittagssonne.
Der Schweiß rinnt auf die staubige Erde.
Wer weiß es –
Das jedes Korn auf dem Teller
Mit Qual gewachsen ist.

Gestern, als ich nach Hause kam,
Musste ich weinen viele Tränen –
Mein Tuch wurde ganz nass –
Die reichen Leute in der Stadt,
Die Kleider aus feiner Seide tragen –
Haben nicht die Seidenraupen gepflegt.

100 Ho (?) ist ein Sack Reis.
Ich armer Teufel
Habe alle Qualen gelitten.
Will ich ausruhen und schlafen
Und meine wunden Füße freimachen –
Dann saugen auch noch Wanzen,
Läuse und Mücken
An meinem Blut.