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Dann lieber
von Richard Zach (ca. 1935)

Dann lieber mit den Sklaven fronen,
wenn Herr sein unterdrücken heißt,
brutal, begierig, heuchelnd, dreist
die andern schinden, selbst sich schonen!

Dann lieber Peitschenhiebe leiden,
als sie berechnend auszuteilen
und sich an solcher Macht zu weiden!
Denn glaube nicht, dass Striemen heilen.

Sie brennen weiter unter Narben!
Sogar das Vieh vergisst sie schlecht!
Es kommt ein Tag nach allem Darben,
der bringt den Ärmsten noch sein Recht.

Dann lieber in den Staub sich beugen,
als Brüder in den Staub zu jagen!
Ob sie auch heute stumm ertragen –
sie werden doch nur Rache zeugen.

Dann lieber mit den Hunden hungern,
als Herrendünkel anzunehmen,
ein Leben lang mit Kunst zu lungern
und Menschendasein zu beschämen.

O diese widerlichen Ritter
mit ihrer Bande feiler Schergen!
Wann reißt nur endlich ein Gewitter
die Schleier weg, die sie verbergen?!

O dieser Hohn an Menschenadel!
O dieses Zerrbild wahrer Kraft!
Den Riss stopft keines Weisen Nadel!
Es ist ein Abgrund, der da klafft!

Und hätte selbst ein Gott bewendet,
dass Herren Sklaven frech regieren –
dann mit den Sklaven rebellieren,
dass diese Ordnung einmal endet!

Über den Autor

Richard Zach (1919, Graz – 1943, Berlin-Brandenburg)

Richard Zach war ein antifaschistischer Widerstandskämpfer und Dichter aus Österreich. Er absolvierte in Graz die Bundeslehrerbildungsanstalt. Die Februarkämpfe von 1934 politisierten Zach, er wurde Mitglied einer kommunistischen Jugendgruppe. Nach 1938 setzte er seine politische Aktivität fort und brachte u.a. die Zeitung “Der rote Stoßtrupp” heraus. Im Oktober 1941 wurde Richard Zach verhaftet. Das Gedicht “Verrücktes Lied” schrieb er zur Jahreswende 1942/43 in Haft. 1942 wurde er von einem Militärgericht in Berlin wegen “Wehrkraftzersetzung” zum Tode verurteilt und am 27. Jänner 1943 hingerichtet.

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