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Das Proletariat in Deutschland
von Simon Felshin (ca. 1924)

Wir werden auf eure Kühnheit einschlagen.
An euren Pickelhauben werden wir euch erkennen.
Eure Orden werden euch nicht retten.
Wir werden euch von euren Pferden zerren.
An diesem Tag wird es kein Mitleid geben.
Wir werden euch zertreten.
Wir werden euch in den Fluss werfen, wie ihr es mit Rosa Luxemburg getan habt.
Wir sind hungrig.
Dennoch, wir sind stark.
Achtet auf eure Waffen, wir brauchen sie.
Für eure Kinder, für uns selbst, für ein Stück Brot, werden wir auf eure Kühnheit einschlagen.
Genug des Krieges, genug des Leidens, wir kämpfen für die Freiheit – ihr kämpft nur für eure Orden.
Die Bonzen, der Adel und die Generäle haben sich verbündet, um uns ihre Fersen in den Nacken zu legen.
Weil ihr uns unterdrückt und unser Brot gestohlen habt, werden wir euch von euren Pferden zerren und unsere Stiefel in euer Gesicht drücken.
Eure Kühnheit ängstigt uns nicht.
Wir sind kühner!
An euren gewichsten Stiefeln werden wir euch erkennen.
Eure Orden werden euch nicht retten.
Wir werden euch in eure eigenen Festungen sperren.
Wir werden auf eure Kühnheit einschlagen.
Was könnt ihr schon gegen Millionen ausrichten?
Von den Fabriken und Bauernhöfen marschiert, gegen euch und eure Söldner, die Legion des Proletariats.

Vom Englischen ins Deutsche übersetzt von: dj/proletkult

Über den Autor:

Simon Felshin (1896, Palästina – ?)

Felshin wurde 1896 in Galiläa (Palästina) geboren. Nachdem er in die Vereinigten Staaten auswanderte, zählte er dort zu den Gründungsmitgliedern der 1919 gegründeten Kommunistischen Partei. Er schrieb politische Gedichte u.a. für die Zeitung “The Daily Worker” und publizierte zwei Gedichtbände: “Free Forms” (1921) und “Poems for the New Age” (1924). Prägend für seine literarische Arbeit waren Reisen durch Frankreich, Deutschland, Italien und die Sowjetunion.