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Das rote Lied
von Alexej Gmyrew (ca. 1910)

Der Sonne entgegen schreiten wir in Reih und Glied
Und singen das rote Freiheitslied.
Es tönt über die Erde, klingend und klar,
Weckend und schreckend wie Kriegsgefahr.
Das Lied strömt hin wie rote Flammen,
Die Stolzen und Starken ruft es zusammen.
Gereckt gehen wir unsere Sonnenbahnen,
Tragen der Freiheit rot leuchtende Fahnen.
Ihr Trauerband ist den Toten geweiht,
Zum neuen Vormarsch sind stets wir bereit.
Unter dem roten Banner schreiten wir in Reih und Glied,
Der Sonne Strahlen begleiten uns und unser rotes Lied.

Schwer ist der Weg, voller Qualen und Tod,
Doch von allen Wegen wie kein andrer rot.
Lang ist der Weg, dauert viel hundert Jahr,
Doch grad liegt er vor uns und sonnenklar.
Klein ist unsre Schar, doch sonder Zagen,
Millionen ja wollen unsere Last mittragen,
Unsre Fahnen, unseren Willen, unser Leiden und Bluten,
Rasend sind wir, doch unsterblich wie der Liebe Gluten.
Kein Weinen, kein Rasten an Gräbern es gibt,
Weiter, weiter, weiter, wer die Sonne liebt!

Über den Autor

Alexej Gmyrew (1887, Smolensk – 1911, Cherson)

Alexej Gmyrew war ein russischer Dichter und Kommunist, der im Jahre 1911 im Strafgefängnis Cherson in der heutigen Ukraine gestorben ist. Die vollständige Biografie des revolutionären Dichters gibt es hier nachzulesen. Der russische Philosoph und marxistische Theoretiker Alexander Bogdanow bezeichnete “Das Rote Lied” von Gmyrew als Musterbeispiel für proletarische Dichtung.