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Der eiserne Messias
von Wladimir Kirillow (1918)

Hier ist er – der Retter, Herr der Erde,
Beherrscher titanischer Kräfte –
Im Lärm unzähliger Stahlmaschinen,
Im Glanz elektrischer Sonnen.

Man glaubte, er käme in leuchtenden Gewändern,
Im Heiligenschein göttlicher Mysterien.
Doch er kam zu uns gekleidet in blauem Rauch
Der Fabriken, Werke und Vorstädte.

So wandelt er über die Abgründe der Meere,
Stürmisch und unbezwingbar.
Er streut Funken rebellischer Gedanken,
Flammenzungen schlagen vorwärts.

Wo immer sein Ruf zu hören ist:
Entblößt ist der Welten Busen,
Berge geben ihm den Weg frei,
Die Pole der Erde verwachsen.

Wo immer er hingeht, hinterlässt er eine Spur
Von klingenden Eisenschienen;
Freude und Licht bringt er uns.
Mit Blüten bestreut er die Wüsten.

Eine neue Sonne bringt er der Welt,
Reißt Throne und Gefängnisse ein.
Zur ewigen Brüderlichkeit ruft er die Völker
Und löscht die Grenzen zwischen ihnen.

Sein blutrotes Banner ist das Symbol des Kampfes,
Das Leuchtfeuer für die Unterdrückten,
Mit dem wir das Joch des Schicksals zerschlagen
Und eine zauberhafte Welt erobern werden.

Übersetzt von: dj/proletkult

Über den Autor

Wladimir Kirillow (1890, Gouvernement Smolensk – 1937, Moskau)

Wladimir Kirillow war ein russisch-sowjetischer Dichter und Vertreter der “proletarischen Poesie”. Er wurde 1890 in eine Bauernfamilie im russischen Gouvernement Smolensk geboren. 1905 beteiligte er sich aktiv an der revolutionären Bewegung, wurde jedoch verhaftet und befand sich bis 1909 im Exil. Im Jahr 1913 veröffentlichte er seine ersten Gedichte in der Arbeiterpresse. 1914 wurde er in die Armee eingezogen und nahm am Ersten Weltkrieg teil. Ab 1917 war er in der bolschewistischen Parteiorganisation in Moskau und Petrograd tätig. 1918 wurde er in das Präsidium der kulturrevolutionären Bewegung “Proletkult” gewählt – in dieser Zeit verfasste er mit “Wir” eines seiner bekanntesten und radikalsten Gedichte. Wladimir Kirillow wurde im Zuge der stalinistischen Säuberungen im Jänner 1937 verhaftet und im Juli 1937 ermordet. 1957 wurde er posthum rehabilitiert.

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