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Der Prolet
von Oskar Kanehl (ca.1920)

Der die Maschinen bewegt.
Der das Saatkorn legt.

Der in Schächten schürt.
Der den Hammer führt.

Der das Brot bringt und das Licht.
Der mit dem gequälten zerfurchten Gesicht.

Der in Schweiß und Ruß
Schuften muß.

Der über Schreibpulten gebückt.
Aus dem der Hunger blickt.

Der in Fronarbeit schmachtet.
Der den Besitz verachtet.

Den der Geldmob knechtet.
Den er ausbeutet. Den er entrechtet.

Den er in Schutzhaft steckt,
Bis er verreckt.

Den er niederknallt,
Wie’s im gefällt:

Der heißt Prolet. Proletarier seine Kinder.
Bürger, dich hassen sie. Dich schlagen sie nieder.

Für dich arbeiten sie nicht mehr. Sie pfeifen auf deinen Lohn.
Sie heben die Waffen. Zur Revolution.

Sie erfüllen die Stunde. Ihr Reich ist nah.
Gebt frei die Erde. Der Mensch ist da!

Über den Autor:

Oskar Kanehl (1888, Berlin – 1929, Berlin)

Studierte Philosophie und Deutsch in Berlin, 1913/14 Herausgabe der Zeitschrift “Wiecker Bote”. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges Publikation von Antikriegsliteratur u.a. in der Zeitschrift “Die Aktion”, nach 1918 Tätigkeit für kommunistische Parteien und Organisationen. Herausgabe von mehreren Gedichtbänden in der Weimarer Republik. 1929 wählte er den Freitod in Berlin.

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