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Der Ruf der Arbeitslosen
von Unbekannt (1922)

Wir Arbeitslosen schreien nach Brot!
Was kümmert uns des Staates Not?
Spielt nicht länger mit unserer Geduld!
Wir sind nicht an dem Elend Schuld,
Wir wollen das Recht zur Arbeit, zum Leben,
Der Staat, der Staat muss es uns geben!
Und ist der beides nicht imstand,
Dann lasst uns fort in ein anderes Land,
Wo man uns Arbeiter schätzt und ehrt,
Und uns das Recht zum Leben nicht wehrt.
Genug der Opfer, die ihr gerichtet,
Die auf dem Friedhof liegen geschlichtet,
Durch eure Schuld gingen sie in den Tod,
Ihr gabt ihnen keine Arbeit und Brot.
Ihr seid die Mörder unserer Kinder,
Ihr seid keine Volksvertreter sondern Schinder.
Ihr übt damit keine gute Tat,
Ihr übt am Arbeitervolk nur Verrat.
Nun fragen wir die christlichen Verteter:
War Christus auch ein solcher Verräter?
Wir glauben es nicht!
Und ihr um Seipel, weg mit dem schwarzen Schleier,
Ihr seid keine Christen, sondern Geier!
Auch ihr Gewerkschaftsführer und Sozialdemokraten,
Auch ihr habt das Proletariat verraten!
Wir rufen nochmals nach Arbeit und Brot.
Noch ist unsere Stimme nicht tot,
Unsere armen Kinder sind unterernährt,
Bald wird man sie verscharren unter die Erd.
Väter und Mütter sind lungenkrank.
Das, Arbeiter, das ist der Dank
Für deine Mühe, Tag und Nacht,
Für die Opfer, die du dem Staate gebracht.
Wir mahnen euch in letzter Stund,
Vernehmt die Worte aus unserem Mund:
Gebt uns Arbeit und Brot!
Das Proletariat ring mit dem Tod!