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Jiri Wolker - Die schwere Stunde

Die schwere Stunde
von Jiří Wolker

Information


Der vorliegende Text erschien 1924 im Gedichtband Die schwere Stunde von Jiří Wolker. Der Beitrag wurde von Lizi Schük vom Tschechischen ins Deutsche übersetzt.

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Über Jiří Wolker

Ich kam zur Welt,
Um ein Leben aufzubauen
Nach dem Bild meines Herzens.

Das Knabenherz ist ein Liedchen, wie’s anfangs klingt,
Ein Plan für ein Schloss, das man dem Volk der Geliebten zum Festtag bringt.
Des Mannes Herz sind Hände mit Schwielen daran,
Deren Blut selbst in Ziegelsteine schmerzlich dringen kann,
Auf dass an der Straße schließlich ein wirkliches Wirtshaus steht
Für den Pilger, die Pilgerin, die da vorüber geht.

Heut meine schwere Stunde schlägt.
Das Knabenherz ist mir gestorben, eingesargt trag ich es fort.
Das Verstorbene quält, es schmerzt auch der Ort,
Wo ein neues in der Brust mir entsteht.
Heut meine schwere Stunde schlägt.
Ein Herz hab ich begraben, das zweite ist erst im Werden,
Durch Angst ermattet, müde der Einsamkeit,
Wehre vergebens mich mit stummen Gebärden
Gegen mein Zimmer,
Das weiße, spöttische.

Den Brief der Geliebten, Lampe, Buch des Freundes,
Ihr Sachen aus Licht und Glauben geboren,
Heut steht mir bei und seid mir dreimal so treu!
Denn ich bin der Welt so ganz verloren.
Betet!
Dass mir ein Herz wächst, tapfer und unnachgiebig.
Und glaubt heute für mich, dass es so wird
Und glaubt für mich, dass ich aufstellen werde
Als dessen Ebenbild
Das Leben eines Gerechten.

Ich hab noch kein Männerherz,
Allein steh ich da in der schweren Stunde;
Daher mein Unglaube.