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Die Welt ist schön
von Hermann Paul (1923)

… Die Welt ist schön!
Wo Frühlingslüfte fächeln,
Wo bunte Blumen stehn,
Wo Sonnenblicke lächeln,
Wo frohe Kinder gehn.

… Die Welt ist schön!
Wenn Abendlieder klingen,
Wenn Stern um Stern erwacht,
Wenn volle Knospen springen
In lauer Frühlingsnacht.

… Die Welt ist schön!
Wo keine Kerkermauern,
Wo sich kein Sklave bückt,
Wo keine Schergen lauern,
Wo keine Sorge drückt.

… Die Welt ist schön!
Für wenig Menschen ist sie Eden,
Doch für Millionen trägt sie tiefste Pein!
Wann blüht für euch der Lenz, Proleten,

… Die Welt ist schön!
Sie soll’s für alle sein!

Über den Autor

Hermann Paul (1887, Karbitz, Nordböhmen – 19??, ????)

Hermann Paul wurde 1887 als Maurerskind in der nordböhmischen Kleinstadt Karbitz bei Aussig geboren. Seine Mutter verstarb, als er drei Monate alt war; von seinem Vater wurde er oft geschlagen. Nach der Schulpflicht lief Hermann Paul von zuhause weg, wanderte durch Deutschland und schließlich über Holland nach Belgien, wo er sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser hielt. 1915 wurde er in den Krieg eingezogen, aber als Kriegsdienstverweigerer verhaftet und kurzzeitig in die Festung Theresienstadt gesperrt. Schon während des Krieges begann Paul erste Gedichte zu schreiben. 1916 nach Russland eingezogen, kehrte er schon nach kurzer Zeit krank und als “politisch verdächtig” eingestuft zurück nach Nordböhmen. Hier organisierte er nach dem Ersten Weltkrieg den Aufbau eines Soldatenrates und begann als Ölsiedereiarbeiter zu arbeiten. Nach dem Ersten Weltkrieg schrieb er unter dem Pseudonym “Catalina” Berichte und Lyrik für die kommunistische Presse, sein Gedichtband “Roter Morgen” erschien 1922 in Chemnitz.