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Freiheit
von Unbekannt (1917)

Freiheit! Noch bist du nur ein Wort,
Noch sind wir Sklaven, sind wir Knechte,
Noch entbehren wir aller Menschenrechte!
Noch gleicht die Arbeit einem Mord.

Mein Herz, es glühet voller Zorn,
Wenn ich bedenke: Was ist dein Lohn?
O Volk, für all dein Schaffen!

Kaum hast du für dich dein täglich Brot,
Das selbst du baust in Schweiß und Not!
Du schaffst den Reichtum, du schaffst die [?],
Alle Güter der Erde wirkest nur du:
Und doch schaust du noch immer ruhig zu,
Wie der Herr es verprasst und dir höhnisch lacht,
Und du, Schöpfer, darbest in Elend und Nacht!

Volk! Mensch! Besinne dich!
Dein ist die ganze Welt!
Halt endlich scharf Gericht!
Wirf ab die Knechtschaft! Sei ein Held!
Nimm alles dir zurück!
Dein Eigen ist’s, dein Recht!
Sei fürder endlich einmal Mensch,
Sei nimmer, nimmer Knecht!

Über den Text:

Diese revolutionären Verse wurden im Dezember 1917 von einem unbekannten Verfasser bzw. einer unbekannten Verfasserin verfasst, der bzw. die sich zu dieser Zeit in Untersuchungshaft in Dresden befand. Es ist anzunehmen, dass der Verfasser bzw. die Verfasserin des Gedichtes aus politischen Gründen inhaftiert war. Sicher ist, es wurde unter dem Eindruck der russischen Oktoberrevolution von 1917 verfasst, bei der revolutionäre Arbeiter, Soldaten und Bauern in Russland ein neues Kapitel der Menschheitsentwicklung aufgeschlagen hatten.