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Gleichnis
von Alois Ketzlik (ca. 1914)

Blümlein, die im Walde blühn,
Sich im Schatten wiegen
Und im satten Wiesengrün
Sonnentrunken liegen,
Lachen Allem freundlich zu:
Leben, oh, wie schön bist du!

Menschen, die sich Tag für Tag
Plagen in Fabriken
Und am Feld mit Müh’ und Plag’
Hinterm Pflug sich bücken,
Seufzen Allem müde zu:
Leben, ach, wie hart bist du!

Über den Autor

Alois Ketzlik (1886, Wien – 1938, Butowo / Moskau)

Alois Ketzlik war ein Dichter und Politiker der Kommunistischen Partei Österreich (KPÖ). 1886 in Wien geboren, begann Ketzlik 1900 eine Lehre in einer Wiener Buchdruckerei. 1914 veröffentlichte er den Gedichtband “Im Alltagsgrau – Lieder eines Proleten”. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde er wegen pazifistischer Propaganda verhaftet. 1919 trat er in die KPÖ ein, wurde Gewerkschaftsfunktionär, Arbeiterkammerrat und Redakteur der “Roten Fahne”. Im Februar 1933 wurde er in Wien verhaftet, im Herbst floh er in die Sowjetunion, wo er die Abteilung für ausländische Arbeiter in der Deutschen Zentral-Zeitung leitete. Am 4. Februar 1938 wurde Alois Ketzlik in der Sowjetunion wegen des Vorwurfs der Spionage verhaftet und im August 1938 in der Nähe von Moskau erschossen. 1956 wurde er rehabilitiert.

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