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Ich bin der Schrei jener…
von Adolf Unger (ca. 1930)

Ich bin der Schrei jener,
denen man das Tor nicht öffnet.

Ich bin einer jener, die in Höfen stehn
und ihre Lieder singen…

Ich bin der Finger aller Hände,
und bin’s, der an allen Türen klopft.
Denn wo das Brot liegt und der Hunger wartet,
und wo man fordert, dort ist mein Ruf dabei.

Über den Autor:

Adolf Unger (1904, Wien – 1942, KZ Auschwitz)

Österreichischer Arbeiterdichter, 1904 in Wien geboren, jüdische Familie, nach nur vier Jahren Schulunterricht Ausbildung zum Schuster, später mehrere Jahre auf Wanderschaft, unter anderem in Italien. 1929 zurück in Wien, erste literarische Arbeiten. Themenschwerpunkte: der Arbeiter, der Ausgebeutete. Lesungen in der Wiener Urania, 1933 Auszeichnung mit dem Julius-Reich-Preis. 1938 Flucht aus Österreich nach Belgien, 1940 von dort nach Frankreich abgeschoben. 1942 Deportation von Adolf Unger und seiner Frau Sobel in das KZ Auschwitz, wo sie unmittelbar nach ihrer Ankunft in der Gaskammer ermordet wurden.

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