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Jännerstreik
von Maximilian Lazarowitz (ca. 1928)

Als wir uns erhoben,
die Räder abstellten, die Riemen anhielten,
die große Woche eim Januar achtzehn
– heiß wühlte der Aufstand im Blut unsrer Adern –
von Ternitz bis Wien.

Die Stunde, da Trotzki in Brest,
der Junker nichtachtend auf uns sah;
da standen wir auf.

Da standen des Kaisers Soldaten,
einrückend gemacht in Fabriken
und grüßten die Brüder im Ost.

Die russigen Hände, wir wuschen sie froh.

Und als uns des Habsburgs Agenten
– Arbeiterführer! – verrieten,
abbremsten den gewaltigen Ausstand:
Ihr Alten, Ihr Jungen, wir weinten
an unseren Mordmaschinen
und vergruben heiligen Hass.

Über den Text:

Im Jänner 1918 streikten im Habsburgerstaat rund eine Million Menschen für die sofortige Beendigung des Ersten Weltkrieges und für den Kampf gegen den Hunger. Ausgangspunkt der großen Streiks waren am 14. Jänner 1918 die Daimler-Motorenwerke in Wiener Neustadt, in den nächsten Tagen folgten viele weitere Betriebe der Kriegsindustrie. Die Führung der Sozialdemokratie verhielt sich zur Streikbewegung ambivalent und trug schließlich zum Abbruch des Streiks bei. Linksradikale und kommunistische AktivistInnen bezeichneten das Vorgehen der sozialdemokratischen Führung darum als verräterisch und konterrevolutionär.

Über den Autor:

Maximilian Lazarowitz (1895, Karlovy Vary – verm. 1941, unb.)

Maximilian Lazarowitz, jüdischer Proletarier und Kommunist, 1895 in Karlsbad/Karlovy Vary in Tschechien geboren. 1917 aktiv in der sozialdemokratischen Jugendbewegung in Wien, nach dem Ersten Weltkrieg führendes Mitglied der österreichischen Kommunistischen Jugend. Im Februar 1941 von den Nationalsozialisten deportiert, vermutlich zwischen 1941 und 1945 verstorben.