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Kampfruf der Frauen
von Hans Maier (ca. 1927)

Wir sind schon zu lange geduldig geblieben,
Wir machen Schluss.
Wir haben uns jetzt dem Hass verschrieben,
zum eisernen Muss.
Wir wollen nicht länger mehr weinen und beten
um ein Stück Brot.
Wir gehen ans Werk, uns selber zu retten –
ohne Gott.
Wir wollen nicht länger, ihr Ordnungshüter,
krepieren für eure heiligsten Güter –
für Geldsack und Nation!
Wir wollen nicht länger, wir Frauen und Mütter!
Wir schreiten zur Rebellion!
Und ob ihr auch zittert, in feigem Entsetzen,
ihr Herren der Dividenden!
Wir wollen nicht länger nach euren Gesetzen
verhungern, verkommen, in Lumpen und Fetzen
und schlechter als Tiere verenden.
Wir wollen nicht länger, trotz eurem Plärren
für euch Kanonenfutter gebären
und demütig kuschen und bücken.
Wir werden dem Kriege den Krieg erklären,
Die Fahne des Aufruhrs zücken…
Wir wollen nicht länger mehr nutzlos klagen,
wir wollen die Peiniger all verjagen –
die uns so schinden und treten…
Wir müssen das Spiel um das Leben wagen
und selber sprengen die Ketten.
Wir wollen nicht länger im Elend vergehen,
den Kindern in brechende Augen sehen,
wir haben genug gelitten.
Wir wollen nicht länger mehr untätig schauen.
Wir gehen den Weg, wir Mädchen und Frauen,
den Weg, den Lenin geschritten.

Über den Autor:

Hans Maier (1881, Ottensheim – 1945, Wien)

Hans Maier, besuchte drei Jahre die Volksschule in der Nähe von Linz, danach als Hirte tätig, anschließend Bäckerlehre. Als Geselle reiste er um 1900 jahrelang durch Europa. 1920 Beitritt zur KPÖ. Ab 1921 Mitarbeit im Feuilleton der KPÖ-Zeitung “Roten Fahne”. 1930 Gründungsmitglied des “Bund der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Österreichs”. Nach dem Verbot der KPÖ (1933) nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten, 1945 in Wien verstorben.

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