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Lasst eure Hämmer kreisen
von Michail Golodny (ca. 1920)

Tag und Nacht mein Hammer schwingt,
Schlaf ist mir schon lang entflohen.
Hammer saust, das Eisen springt
Und die Feuersbrünste lohen.

Jeder Schlag stürmt mächtig an,
Seht nur, wie das Dunkel zittert:
Und ich wachse, ein Titan,
Von den Kämpfen rot umwittert.

Sehr nur, sehr, mein Amboss tanzt
Und die Welt beginnt zu lodern.
Rebellion ist aufgepflanzt.
Könige und Kaiser modern.

In die Arbeit, Schlag auf Schlag,
Habe ich mich selbst geschmiedet.
Tausend Kämpfer stehen im Tag,
Denen mein Gesetz gebietet.

Das Gesetz im Niederfall
Meines Hammers auf das Eisen:
Hier und dort und überall
Müsst die Ketten ihr zerreißen.

Alter Schmied, erschöpft vom Kampf
Bist du müde, gibt den Hammer
Einem Jungen, Schlachtgestampf
Dröhnt, zu endigen den Jammer.

Hammer schwingt in uns’rer Faust!
Auf, wir wollen Schwerter schmieden.
Wie das Schmiedefeuer saust
Für den Krieg und für den Frieden!

Schlaf entschwand. Die Zukunft steht
Bei dem Feuer, bei dem Eisen.
Auf zur Arbeit. Flamme weht:
Lasset eure Hämmer kreisen!

Über den Autor

Michail Golodny (1903, Bachmut, Donezk – 1949, Moskau)

Michail Golodny war ein russisch-sowjetischer und jüdischer Dichter und Journalist, der für seine Gedichte, Lieder und Balladen über den Russischen Bürgerkrieg (1917-1922) Bekanntheit erlangte. Sein bürgerlicher Nachname war Epstein, den Künstlernamen “Golodny” (zu Deutsch: “Hunger”) wählte er nach seiner entbehrungsreichen Jugend. Nach der russischen Oktoberrevolution trat Golodny der kommunistischen Jugendorganisation Komsomol bei und veröffentlichte erste Gedichte in lokalen Zeitschriften der KPdSU. Später ging er nach Moskau, wo er als Schriftsteller arbeitete. Im Zweiten Weltkrieg war Michail Golodny als Kriegskorrespondent für verschiedene sowjetische Zeitungen tätig. 1949 wurde er von einem Auto angefahren und verstarb kurz darauf in Moskau.