Michele Della Maggiora
Italienischer Kommunist und Opfer des Mussolini-Faschismus

Michele Della Maggiora war ein italienischer Kommunist, der im Oktober 1928 als erster Oppositioneller vom faschistischen Sondergericht in Italien zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.

Michele Della Maggiora (geb. 1898) wuchs in einer ärmlichen Arbeiterfamilie in der Nordtoskana auf. Im Ersten Weltkrieg geriet er bei der Isonzoschlacht im Oktober 1917 in österreichische Kriegsgefangenschaft. Während des Krieges erkrankte er an Lungentuberkulose und verlor aufgrund von Erfrierungen mehrere Zehen. Nach dem Weltkrieg beteiligte er sich an den “Biennio rosso”, dem Vormarsch linker Kräfte im norditalienischen Raum in den Jahren 1919 und 1920.

1923 emigrierte er nach Marseille, wo er in Kontakt mit kommunistischen Kreisen trat. Nachdem sich seine Tuberkulose verschlimmerte, war er 1927 zur Rückreise nach Italien gezwungen. An der Grenze wurde Della Maggiora verhaftet und in die Toskana geschickt. Nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt in Pescia fand er sich verarmt und gesundheitlich angeschlagen im von Benito Mussolini angeführten faschistischen Regime wieder. Aufgrund seiner kommunistischen Gesinnung galt er als sozial geächtet und wurde wiederholt zum Ziel faschistischer Angriffe und Demütigungen, die Della Maggiora in die Verzweiflung trieben.

Inzwischen dem Alkoholismus verfallen und auf öffentliche Hilfsleistungen angewiesen, reifte in Michele Della Maggiora die Absicht, sich an seinen Unterdrückern zu rächen. Am 16. Mai 1928 zog er, bewaffnet mit einer Pistole, durch Ponte Buggianese und erschoss die ersten beiden Faschisten, denen er begegnet war. Nach seiner Verhaftung erklärte Della Maggiora, er habe aus politischen Gründen gehandelt, weil seine Opfer Faschisten waren.

Der Prozess gegen Michele Della Maggiora fand von 13. bis 17. Oktober 1928 am neu gegründeten Sondergerichtshof in Lucca statt. Es war das erste Mal, dass der Sondergerichtshof außerhalb Roms tagte. Della Maggiora wurde beschuldigt, ein “Massaker” verübt und damit die “Sicherheit des Staates” angegriffen zu haben mit dem Ziel, eine “Volksrevolte” auszulösen. Obgleich es selbst in den Reihen der Justiz zu heftigen Diskussionen um die juristische Bewertung des Falles kam, wurde Michele Della Maggiora schließlich zum Tode durch Erschießen verurteilt. Mit dem gleichen Urteil wurde sein Genosse Bruno Spadoni, der beschuldigt wurde, die Mordwaffe geliefert zu haben, zu 18 Jahren Haft verurteilt.

Einen Tag nach der Urteilsverkündung – am 18. Oktober 1928 – wurde Michele Della Maggiora frühmorgens zur Hinrichtung geführt. Die angebotenen Tröstungen der Religion lehnte er ab. Er fiel rufend: “Nieder mit dem Faschismus, hoch die Sowjets!” Das Todesurteil und die Hinrichtung fanden ein breites internationales Echo vor allem in der sozialistischen und kommunistischen Presse und lösten weltweit Proteste aus.

Der österreichische kommunistische Dichter Karl Neugebauer widmete Michele Della Maggiora das am 20. Oktober 1928 in der “Roten Fahne” veröffentlichte Gedicht “Genosse Della Maggiora ermordet.”

Autor: dj/proletkult

Quellen:
it.wikipedia.org/wiki/Michele_Della_Maggiora
Die Rote Fahne, 2. November 1928, S. 4
Tagblatt, 7. Oktober 1928, S. 10