Kategorien
Alle Texte Lyrik

Nieder mit dem Raubkrieg
von Richard Zach (ca. 1940)

Hört ihr das Seufzen der Witwen nicht,
das Wimmern nicht der Waisen?!
Ihr sprecht von Ehre, Ruhm und Pflicht –
und schmiedet das mordende Eisen!

Wollt ihr denn ewig Henker sein,
weil andre auch leben möchten?
Wollt ihr euch nicht endlich wahrhaft befrein
und jene verjagen, die knechten?

Die Erde hat Land und Lese genug
für alle Pflüger und Schaffer!
Durchschaut den frechen, tödlichen Trug,
die tückische Gier der Raffer!

Hat euch denn noch nicht ein Ekel erfasst
von euren blutigen Händen,
vor eurem Geschlecht, das sinnlos rast?
Genug, genug? Lasst enden!

Hört doch das Seufzen der Witwen, hört!
Hört doch das Wimmern der Waisen!
Und wenn ihr auf eure Stärke schwört –
einst mordet euch selber das Eisen.

Über den Autor

Richard Zach (1919, Graz – 1943, Berlin-Brandenburg)

Richard Zach war ein antifaschistischer Widerstandskämpfer und Dichter aus Österreich. Er absolvierte in Graz die Bundeslehrerbildungsanstalt. Die Februarkämpfe von 1934 politisierten Zach, er wurde Mitglied einer kommunistischen Jugendgruppe. Nach 1938 setzte er seine politische Aktivität fort und brachte u.a. die Zeitung “Der rote Stoßtrupp” heraus. Im Oktober 1941 wurde Richard Zach verhaftet. Im darauffolgenden Jahr wurde er von einem Militärgericht in Berlin wegen “Wehrkraftzersetzung” zum Tode verurteilt und am 27. Jänner 1943 hingerichtet.