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Pariser Kommune
von Hans Maier (ca. 1925)

Sie haben die erste Bresche geschlagen
Und zeigten den Weg, den wir gehen müssen;
Sie haben das Freiheitsbanner getragen
Solange, bis sie von den Ordnungsschüssen
Der Eigentumshure am Boden lagen.
Und war auch noch unklar ihr Handeln und Trachten,
Wir enden das Werk trotz verlorener Schlachten.
Stets neu wird die glutrote Fahne erglüh’n:
Das Vermächtnis der roten Pariser Kommune.

Sie haben das erste Feuer entzündet,
Das Feuer, von dem unsre Herzen sprühen;
Sie haben als Klasse zur Tat sich verbündet,
Und war auch nur kurz ihrer Freiheit Blühen:
Sie haben die Revolution verkündet.
Und ob sie uns morden und schänden und drohen,
Dies heilige Feuer wird leuchten und lohen.
Wir schüren es weiter trotz blutigem Bemüh’n,
Das Feuer der roten Pariser Kommune.

Sie haben der Zukunft die Toren erschlossen,
Den Boden gedüngt mit dem Blute dem roten;
Und heut’ ist die Saat in die Halme geschossen,
Die Erntezeit naht – wir gedenken der Toten:
Der alten Pariser Heldengenossen.
Mit rauchender Flinte, in Pulverschwaden,
So standen sie einst auf den Barrikaden;
Männer und Frauen, mit wehendem Haar, so stolz und kühn:
Die Helden der roten Pariser Kommune.

Über den Text:

Während des deutsch-französischen Krieges entstand in Paris am 18. März 1871 die Pariser Kommune, die erste ArbeiterInnenregierung der Welt. Ziel dieser radikaldemokratischen Bewegung war es, die französische Hauptstadt – gegen den Willen der konservativen Regieurng – sozialistisch zu verwalten. Der Rat der Kommune begann mit sozialen, politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen des Volkes. Die konservative Regierung antwortete darauf mit der militärischen Belagerung der Stadt, am 28. Mai 1871 wurde die Pariser Kommune niedergeschlagen. Bei den Kämpfen und den folgenden Massenexekutionen wurden 30000 Menschen getötet, zehntausende KommunardInnen wurden verhaftet und verbannt.

Über den Autor:

Hans Maier (1881, Ottensheim – 1945, Wien)

Hans Maier, besuchte drei Jahre die Volksschule in der Nähe von Linz, danach als Hirte tätig, anschließend Bäckerlehre. Als Geselle reiste er um 1900 jahrelang durch Europa. 1920 Beitritt zur KPÖ. Ab 1921 Mitarbeit im Feuilleton der KPÖ-Zeitung “Roten Fahne”. 1930 Gründungsmitglied des “Bund der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Österreichs”. Nach dem Verbot der KPÖ (1933) nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten, 1945 in Wien verstorben.

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