Kategorien
Jiri Wolker - Die schwere Stunde

Strophen
von Jiří Wolker

Information


Der vorliegende Text erschien 1924 im Gedichtband Die schwere Stunde von Jiří Wolker. Der Beitrag wurde von Lizi Schük vom Tschechischen ins Deutsche übersetzt.

Zum Inhaltsverzeichnis

Über Jiří Wolker

Viel Schnee die Dächer der Häuser erdrückt.
Dein Aug‘ spiegelt ihn als graue Pfütze zurück.

Die Stunden fallen schwer in die steinerne Stadt,
Jungfrauen gleich, die man verraten hat.

Weil du nun hier allein durch fremde Gassen gehst,
Scheint dir, dass du der ganzen Welt Leid und Verdammnis trägst.

Und doch bist du’s allein und wirklich nur zum Teil,
Der irgendwo bedrückt ist von ganz privater Pein.

Steh du am Bahndamm nur, höre der Züge Jagen,
Die alle Lieb und Hass weit in die Ferne tragen,

Steige in alle ein, bewegt durch Ruhmeskraft,
Dass dich ein jeder fort vom Leid der Erde schafft.

Zur Erde weit und groß in abgrundtiefen Kampf,
Ihr ist ein drückendes Leid ja gänzlich unbekannt.

Und überwind‘ dein Herz, es ist ja nicht allein,
Womit du siegen kannst, nur überwind‘ die Pein.

Du musst sie ja besiegen, darfst sie nicht wiederkaun,
Im Kampf musst du beharren und nicht nach rückwärts schauen.

Dann ist der Schnee, der fällt, ein Umschlag kühl und gut
Für deine wunde Stirn, für deinen heißen Mut.

Vom Turme fliegen Vögel, mit ihnen fliegt die Zeit,
Große leiden Qualen, der Größe vernichtet Leid.