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Wenn wir sterben müssen
von Claude McKay (1919)

Wenn wir sterben müssen – dann nicht gleich Schweinen,
Eingepfercht in dunklen Höfen zur Schlacht,
Gebrochen und blutend, mit zitternden Beinen,
Von wilden Hunden gehetzt und verlacht.

Wenn wir sterben müssen – dann den würdigen Tod,
Nicht umsonst soll unser Blut verfließen,
Und selbst jene, die gequält uns und bedroht,
Werden Ehr’ und Würd’ uns einräumen müssen.

Genossen! Unser Feind ist stark und groß,
Doch seinen tausend Schlägen wollen wir kühn
Begegnen mit dem einzig großen Todesstoß.
Doch was, wenn vor dem off’nen Grab wir knien?

Wir trotzen dem elenden Mörderpack, dem feigen,
An die Wand gedrückt und sterbend, aber: Zähne zeigend!

Ins Deutsche übersetzt von: dj/proletkult

Über den Autor

Claude McKay (1889, Clarendon, Jamaika – 1948, Chicago, USA)

Claude McKay war ein jamaikanischer Dichter und Schriftsteller. Er war einer der frühesten Vertreter der Harlem Renaissance, einer Bewegung afroamerikanischer Schriftsteller und Maler zwischen 1920 und 1930. Sein wichtigster Gedichtband “Harlem Shadows” erschien 1922 in den USA. Die wichtigsten Themen seiner Schriften sind das Leben der armen Bevölkerung auf Jamaika und in New York, sowie seine eigenen Erfahrungen mit rassistischer Diskriminierung und Armut.

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