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Wort und Tat
von Werner Möller (ca. 1918)

Ich lieb’ das stolze freie Wort,
Das stürmend reißt die Herzen fort,
Das Feuer zündend in die Hirne schlägt
Und selbst den Feigling hin zur Höhe trägt.
Das den Verzagten füllt mit neuer Kraft,
Die Gegner trifft wie wucht’ger Lanzenschaft,
Das weib’sche Männer hämmert zu Titanen,
Sie dorthin treibt, wo wehn die Freiheitsfahnen,
Dich preise ich, du goldner Freiheitshort,
Dich preise ich, du stolzes freies Wort.

Doch höher als das Wort noch steht die Tat,
Die rastlos treibt das Weltenrad.
Die feilt und hämmert an dem Bau der Welt,
Voll ew’ger Kraft, nur auf sich selbst gestellt.
Die Throne stürzte, Reiche neu erschuf,
Die Völker weckte auf mit hellem Ruf;
Die kühn voran den Arbeitsheeren ging,
Als dunkle Nacht die Geister noch umfing,
Die, Kerkern trotzend, warf die Freiheitssaat,
Sie steht noch höher als das Wort – die Tat.

Wo beide sich vereinen, Tat und Wort,
Da blüht der Freiheitsbaum, der jetzt verdorrt,
Und wie hervor die Morgenröte bricht,
So strahlt erneut des Sozialismus Licht.
Herbei drum, auf, reißt es aus Staub und Kot,
Hebt hoch empor das Banner leuchtend rot,
Es flieg’ voran, es soll den Weg uns weisen
In dieser Zeit voll Brand und Tod und Eisen.
Schreibt nichts darauf von Schande und Verrat,
In goldnen Lettern drauf nur: Wort und Tat!

Über den Autor:

Werner Möller (1888, Barmen – 1919, Berlin)

Werner Möller war ein Arbeiterdichter aus Deutschland. Bereits seit seinem 18. Lebensjahr engagierte er sich in der Sozialdemokratie im Wuppertal und veröffentlichte in Parteizeitungen erste literarische Arbeiten. Ab 1914 engagierte er sich als Kriegsgegner, wurde wegen Verbreitung von Liebknecht-Flugblättern verhaftet und trat schließlich zu den KommunistInnen über. Im Zuge des Januaraufstandes 1919 in Berlin gehörte er zu den führenden BesetzerInnen des Vorwärts-Gebäudes, in dem die gleichnamige sozialdemokratische Zeitung herausgegeben wurde. Nach der Räumung der Besetzung durch Regierungstruppen wurde Möller gemeinsam mit sechs weiteren Genossen von der Reichswehr schwer misshandelt und erschossen. Er wurde am 25. Januar 1919 in der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin beigesetzt.