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Jiri Wolker - Die schwere Stunde

Zapfenstreich
von Jiří Wolker

Information


Der vorliegende Text erschien 1924 im Gedichtband Die schwere Stunde von Jiří Wolker. Der Beitrag wurde von Lizi Schük vom Tschechischen ins Deutsche übersetzt.

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Über Jiří Wolker

Trompeter blasen den Zapfenstreich
In der Kaserne vor der Stadt weit draußen.
Ich lag mit meiner Geliebten auf ihrem Bett,
Dem weißen.

Im weißen Bett, im Zimmer
Zu lieben hat niemand Angst.
Indessen hinter schwarzen Fenstern,
Bluten
Verliebte Soldaten,
Verwundet in’s Herz mit Trompetenschall,
Getroffen vom Befehl des großen Zapfenstreiches.

Du glaubst, wir haben nicht Krieg,
Doch ist’s ein Feldschrei zum Sieg,
Wenn du, Soldat, Abschied nehmen musst
Von der Liebe,
Ob sie dir schon bei der schwieligen Hand,
Oder im Aug‘ des Dienstmädchens,
Oder der Schneidern blüht,
Der Geliebten.

Im Kasernenhof
Werden nun zwei Trompeter stehen.
Alle Männer müssen in den Krieg gehen!
Auch ich bin ein Mann,
Muss von deinen Brüsten und Augen fort.
So will es des großen Zapfenstrichs Wort.

Ich bin von dir gegangen,
Du süßes Lieb,
Ich kehre zu dir,
Weib des Menschen, zurück.

Du bist verändert, ich ebenfalls!
Ganz anders werden wir lieben.
Wie eine Trompete nehm‘ ich dich vom Hals
Zum Mund und blase, dass es gellt,
Eine Straße aus Liebe und Tönen, gebaut in’s Feld.
Die soll durch die Stadt gehen und durch alle Auen,
Damit Soldaten, Mägde, Jünglinge und Jungfrauen,
Alle, die lieben und doch stets sich trennen,
Auf unserer Straße einander begegnen,
Nach dem Ebenbild ihrer Herzen.